politische fragen und hoffnungen

wenn man wie ich aufbricht sein heimatland zu verlassen, aufbricht zu einem leben hier in frankreich, wird man dann kritischer und differenzierter zu seinen herkuenften, seinen wurzeln und traditionen?

wird man offener ueber sein land zu sprechen oder verschliesst man sich vorsichtig abwartend?

taxieren oder komplette zurueckhaltung? beides liegt mir nicht. ich halte taxieren fuer unehrlich, mir selbst gegenueber, und auch den menschen hier in frankreich gegenueber. sich zuruecknehmen, zurueckhaltung zu praktizieren, ohne dabei die sensibilitaet und kritische wachsamkeit fur ‘neues’ aufzugeben, liegt eher in meinem naturell und auch in meiner natur.

den gedadanken ueber franzoesische kultur, lebensart, politik und leben zu froehnen setzt voraus, “was weiss ich ueber mich selbst”, “was weiss ich ueber mein eigenes land”?

inwieweit bin ich mir ueber meine eigene, charakterbildende herkunft im klaren, und, ist es ueberhaupt moeglich sich einer eigenen gesteuerten sebstbetrachtung zu unterziehen, ohne dabei in allzu subjektive hoehen abzudriften?

den geist, die augen fuer ein mir kulturell, politisch und sozial anders gesteuertes land zu oeffnen klingt einfach fuer einen “arte”-zuschauer. aber ist es das auch?

fuer mich sage ich NEIN.

denn, was weiss ich ueber meine kultur, meine eigene geschichte eingebunden in eine doch sehr kontroverse geschichte meines eigenen landes? was weiss ich ueber politik in meinem eigenen land, wenn ich versuche zu begreifen, wie die politik eines nicolas sarkozy sich ueber ein land flutet, das ich beginne sehr zu lieben?

was weiss ich ueber die gaenzlich laehmenden ‘aktionen’, oder soll ich sagen ueber die versuche der grossen koalition von cdu und spd sich dem stillstand zu ergeben, ohne innovative druckvolle reformen und ideen durchzusetzen. wenn ich sehe mit welcher medienpraesenz hier in frankreich ein geistig und koerperlich kleiner staatspraesident in form eines rechtsgerichteten tsunamis sich ueber die republick ergiesst. einer republick die in ihrer geschichte massgebend steht fuer demokratie, deren verfassung die eckpfeiler der meisten demokratischen vergfassungen weltweit war und ist: freiheit, gleichheit, bruederlichkeit,

worte die in der sarkozy-republick sinnentfremdet wirken.

was weiss ich ueber die sebstherrlichkeit deutscher vom volkgewaehlter staatsvertreter die sich das wort ‘politiker’ in ihre berufliche vita schreiben. staatsvertreter die es vorziehen zu allererst sich selbst, ihre reputation und ihr geld in sicherheit zu wiegen, bevor sie den interessen die der waehler durch sein votum ihnen als auftrag litgegeben hat, folge zu leisten, wenn ich monsieur sarkozy in seiner arroganz, selbstherrlichkeit und sich seiner selbstauerlegten unfehlbarkeit betrachte?

was die betrachtung der meisten deutschen zu ihrem eigenen land angeht, so kann ich sagen, dass wir es seit der fussball wm 2006 gelernt haben, den patriotismusbegriff auf ein ertraegliches politisches mass zu veringern. andererseits haben wir es fuer meinen geschmack mit dem schwenken der schwarz-rot-goldenen fahne doch allzusehr uebertrieben.

ich selbst, auch wenn ich, oder gerade weil ich der generation der anfang der 1960er jahre geborenen entspringe, kann nicht unvoreingenommen die deutsche fahne, und ihre farben betrachten. ZUVIEL negatives ist damit verbunden.

das diese fahne allerdings, mit ihren farben seit 1945 das symbol fuer eine vorbildlihe demokratisierung, fuer eine hart erarbeitete und staendig erneuerbare demokratie im wandel dieser schnelllebigen zeit ist, ist ebenfalls nicht zu verleugnen und hat etwas sehr mutiges und standhaftes.

es ist manchesmal schon sarkastisch und arrogant, ein anderesmal aergerlich und dumm, wenn ich sehe, dass franzosen immer noch glauben ihr land sei die “grande nation”, und dass sie glauben dieser begriff sei zeitlich nicht begrenzt.

die “grande nation” existiert schon lange lange nicht mehr, nur noch in den koepfen der ewig gestrigen.

wenn ich dies sehe, frage ich mich tatsaechlich, ob die franzosen fuer manches welt-und europapolitische zu blind sind, oder einfach nur angst zu haben ihre augen zu oeffnen um der wahreheit ins gesicht zu schauen. aber manchesmal soll irrglaube ja helfen, im taeglichen einerlei, auch wenn es voellig absurd ist.

in etwa so absurd, das ein mann, politiker moechte ich ihn nicht nennen, wie nicolas sarkozy, sich auf dem votum der waehler in plympisch dopingverdaechtiger hoechstgeschwindigkeit eines 100m sprinters, seinen selbstherrlichen thron in frankreich bastelt. und dies alles aufbauend auf kontrolle, auf einschraenkungen vieler persoenlichkeitsrechte im privaten und beruflichen leben. er bemaechtigt sich der franzoesischen verfassung, dehnt und weitet sie bis an ihre grenzen wie ein kaugummi, um seine ziele durchzusetzen.

aber, auch politik und ihre gewaehlten vertreter sind immer auch ein spiegelbild der jeweiligen gesellschaft.

das dieser “praesident” sich in den naechsten viereinhalb jahren seiner amtszeit sich noch eines besseren besinnt, darauf ist nicht zu hoffen, dazu reicht seine politische intelligenz nicht aus. seine hormonell gesteuerten machtgelueste setzen seine ohnehin schon kleine intelligenz komplett ausser kraft.

aber das die franzosen sich eines besseren besinnen, darauf hoffe und setze ich. auch darauf, dass die kritische auseinandersetzung mit der derzeitigen politik nicht auf den stuehlen und in den bankreihen weniger interlektueller sitzen bleibt, nein, dass auch die politiker aller demokratischen parteien sich aus ihrem laehmenden zustand in dem sich sich zur zeit befinden befreien, und den politischen begriff ‘opposition’ wieder mit leben und kritischem druck ausueben werden, darauf setze ich.

salut, martin

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